Besuch japanischer Wissenschaftler beim Schulverbund „Blick über den Zaun“ in Hamburg
15. April 2026

Foto: UHH/privat
Am 17. März waren drei Wissenschaftler der University of Teacher Education Fukuoka, der Chiba University und der University of Yamanashi zu Besuch an der Uni Hamburg. Sie gehören einer Forschungsgruppe an, die sich mit Didaktik und Erziehungswissenschaft in Deutschland befasst und haben gemeinsam Untersuchungen zu Bildungsreformen in Deutschland durchgeführt. Ihr Interesse galt dem Schulverbund „Blick über den Zaun“, dessen Arbeits- und Koordinationsstelle seit 2016 an der Universität Hamburg angesiedelt ist und auch wissenschaftlich begleitet wird.
Der Schulverbund „Blick über den Zaun“ (BüZ) ist ein reformpädagogisch orientierter Verbund, der seit 1989 besteht. Ziel ist es, durch regelmäßige Peer Reviews, Tagungen und Werkstätten einen Austausch zwischen den Mitgliedsschulen zu fördern. Schulen sollen voneinander lernen, sich gegenseitig anregen und unterstützen.
Insbesondere die Gestaltung der Peer-Reviews, die im Schulverbund schon seit über 30 Jahren durchgeführt werden, stand im Fokus des Besuchs. Dr. Franziska Carl, Leitung der Koordinationsstelle BüZ, erläutert dazu: „Der Schulverbund ermöglicht es den Schulen, sich gegenseitig im Rahmen von Peer Reviews zu besuchen und sich so gemeinsam in ihrer Schulentwicklung zu unterstützen.“
Kern des gemeinsamen Austausches waren Fragen zur Arbeitsweise im Schulverbund, zur Gestaltung der Peer-Reviews sowie zum Leitbild und den gemeinsam definierten Standards guter Schule, die das Fundament der Zusammenarbeit zwischen den Schulen darstellen. Vom 18. bis 20. März hatten die Gäste zudem die Gelegenheit, selbst an einem Peer-Review an der Stadtteilschule Bergedorf in Hamburg teilzunehmen.
Im Gespräch schilderten die Gast-Wissenschaftler, dass Unterrichtshospitationen in Japan in der Regel dazu dienen, dass Lehrkräfte – sowohl schuleigene als auch externe – neue Ideen und Impulse für ihren eigenen Unterricht sammeln. Bei den sogenannten „Lesson Studies“ findet zwar ebenfalls ein reger Austausch zur gegenseitigen Inspiration statt, der Fokus liegt dabei jedoch auf der detaillierten Auseinandersetzung mit dem Unterricht, während Fragen der Schulentwicklung weniger intensiv thematisiert werden.
Im Rahmen der Peer-Reviews des Schulverbunds liegt der Schwerpunkt dagegen auf einem regelmäßigen Austausch der Kolleg:innen rund um die Schulentwicklung in ihren Schulen zur Inspiration, kritischen Diskussion und gegenseitigen Unterstützung durch Feedback. Dieser Ansatz kritischer Freundschaft stieß im Austausch mit den Gast-Wissenschaftlern auf großes Interesse: „BüZ schafft einen Raum, in dem die Teilnehmenden als ‘kritische Freunde’ miteinander in Beziehung stehen, einander respektieren und mit gegenseitiger Achtung umgehen. Die Teilnehmenden diskutieren intensiv darüber, wie die gastgebende Schule verbessert werden kann. Dadurch vertiefen sie nicht nur ihre Überlegungen zur gastgebenden, sondern auch zur eigenen Schule. So entsteht eine Win-Win-Situation, von der alle profitieren,” fasst Eiji Takahashi von der University of Yamanashi seinen Besuch zusammen.
Am Ende des Besuchs wurden Verabredungen für die weitere Zusammenarbeit getroffen, um den inspirierenden Austausch gemeinsam fortzuführen.

