Wie kann der Übergang vom Studium in den Beruf gelingen?Studentisch organisierte Veranstaltungsreihe „Next Steps“ bringt Studierende und berufserfahrene Expert:innen ins Gespräch
15. September 2026

Foto: UHH/Hofmann
Wie geht es nach dem Studium weiter? Diese Frage brennt vielen Studierenden unter den Nägeln. In der studentisch organisierten Vortragsreihe „Next Steps – Berufliche Perspektiven in Bildung, Sprache und Migration“ des Master-Studiengangs „Mehrsprachigkeit und Bildung (MOTION)“ beantworten Expert:innen aus verschiedenen Berufszweigen die Fragen der Studierenden. Wir haben mit Edita Imeri, einer der studierenden Organisator:innen der Reihe und den Referent:innen Sümeyye Bozukluhan und Jin Jlussi über den Übergang von Studium und Beruf gesprochen.
Zum zweiten Mal fand in diesem Sommersemester die Vortragsreihe „Next Steps“ statt – erstmals unter diesem Namen. Studierende des Masterstudiengangs „Mehrsprachigkeit und Bildung/MOTION: Multilingual Educational Linguistics“ luden Referent:innen aus unterschiedlichen Bereichen ein, um mit ihnen über Berufsperspektiven für Jobeinsteiger:innen aus den Erziehungs- und Geisteswissenschaften mit sprachwissenschaftlichem Schwerpunkt zu sprechen. Denn die Suche nach dem „richtigen“ Job ist mit vielen Fragen verbunden: Wie sicher sind die verschiedenen Arbeitsfelder angesichts aktueller Kürzungen im Sozialbereich? Passt der Arbeitsalltag zur eigenen Lebensgestaltung? Und welche Kompetenzen braucht man zusätzlich?
Einblicke von MOTION-Absolvent:innen
Einige der Referent:innen der Reihe sind selbst MOTION-Absolvent:innen und kennen die Fragen der Studierenden gut. So auch Sümeyye Bozukluhan, Bildungsreferentin, Vereinsvorstand und Projektleitung bei MOSAIQ e. V., und Jin Jlussi, Mitarbeiterin im Rahmen der Projekte zur Förderung von Internationalen Strategischen Netzwerken sowie Gefährdete Forschende in der Abteilung Internationales an der Universität Hamburg. Sümeyye Bozukluhan beschreibt ihren Arbeitsalltag als Kombination aus Netzwerkarbeit, Administration und Bildung zu rassismus- und machtkritischen Themen. „Hier gehört auch konzeptionelle, wissenschaftliche und methodische Arbeit dazu: Wie kann Rassismus- und Machtkritik in Institutionen funktionieren? Als Projektleitung geht es außerdem darum, mit jungen Menschen über antimuslimischen Rassismus zu sprechen und inhaltlich und konzeptionell Methoden, Dialogräume und Konferenzen zu gestalten, um Jugendlichen eine rassismus- und machtkritische Sensibilität nahezubringen,“ beschreibt sie ihre Tätigkeit. Jin Jlussi berichtet von Internationalisierungsprojekten im Hochschulkontext: Förderlinien der Exzellenzstrategie sowie Förderlinien für Gefährdete Forschende, die aufgrund von politischer Verfolgung oder Krieg in ihrem Herkunftsland ihrer Forschung nicht mehr sicher nachgehen können. Zu ihrem Arbeitsalltag zählen beispielsweise Finanzcontrolling und die Begleitung multilateraler Netzwerke, sowie die Beratung von (Gast)Forschenden im Rahmen dieser Förderlinien.
Möglichkeiten, Übergänge und verschiedene Lebenswege transparent machen
Beide absolvierten in diesem Jahr ihren Master-Abschluss und arbeiteten bereits während des Studiums in ihren aktuellen Berufen. In einem gemeinsamen Vortrag im Rahmen der Next Steps-Reihe sprachen sie mit den Studierenden über Übergänge von Studium und Beruf. Dabei wurde deutlich, dass diese Übergänge oft fließend sind. „Es ist wichtig, dass auch nicht lineare Lebensläufe für Studierende sichtbar werden,“ betont Jin Jlussi. Nach dem Bachelor folgte bei ihr zunächst ein Einstieg in die Meinungsforschung. Ihren Master absolvierte sie nach mehreren Jahren Berufserfahrung in Teilzeit als Weiterbildung neben ihrer Tätigkeit in der Abteilung Internationales der UHH.
Laut Edita Imeri zeigt die Reihe insgesamt, dass Studium und Praxis selten strikt getrennt werden: Man probiert aus, verknüpft Erfahrungen und findet den passenden Weg oft erst über mehrere Stationen. Sie ist eine von sechs MOTION-Studierenden, die die Veranstaltungsreihe im Sommersemester 2026 organisierten.
Dass man in eine passende Tätigkeit manchmal „reinstolpert“, berichtet auch Sümeyye Bozukluhan: Aus der Teilnahme an einer MOSAIQ-Veranstaltung wurde dauerhaftes Ehrenamt, später Vereinsgründung, Vorstandsarbeit und parallel zum Studium eine feste Stelle. „Einen Verein zu gründen, Vorständin zu werden und als Projektleitung zu arbeiten, war zu Beginn meines Studiums nicht mein Ziel. Aber ich wusste schon immer, dass ich mit bildungs- und rassismuskritischen Themen arbeiten möchte. Aus Eigeninteresse wurde dann ein Berufswunsch,“ erzählt sie.
Synergien zwischen Studium und Beruf finden und nutzen
Ein berufsbegleitender Master oder ein Berufseinstieg während der Studienzeit können herausfordernd sein. Nicht immer sind Studium und Beruf in Balance, manchmal tritt das Studium auch für eine Zeit gänzlich in den Hintergrund. Doch es können sich auch Synergien ergeben: Für Sümeyye Bozukluhan war Berufserfahrung hilfreich, um theoretisches Wissen direkt praktisch anzuwenden und gleichzeitig Erkenntnisse aus der Praxis in die Forschung einzubringen. Generell sei es sinnvoll, schon im Studium inhaltliche Schwerpunkte zu setzen und Veranstaltungen danach auszuwählen; sofern es die eigenen Ressourcen zulassen auch über den eigenen Stundenplan hinaus. „Es kann sich lohnen, schon während des Studiums gezielt relevante Kompetenzen aufzubauen, zum Beispiel durch Kurse oder Workshops zu Projektmanagement, Moderation oder Didaktik. Wer sich weiterentwickeln möchte kann außerdem Hochschulveranstaltungen, Netzwerktreffen oder Konferenzen besuchen und frühzeitig Kontakte knüpfen,“ rät Jin Jlussi.
Netzwerke und Ehrenamt als wichtige Einstiegsfaktoren
Beide Referent:innen betonen, dass Ehrenämter kompetenzbildend sind. Neben einer inhaltlichen Profilschärfung und Kompetenzbildung, bieten Ehrenämter wichtige Netzwerke – und die sind das Wichtigste bei der Suche nach passenden Stellen. Auch im Job kann ehrenamtliches Engagement ein Ort sein, die eigenen gesellschaftspolitischen Motivationen zu verfolgen, Netzwerke zu knüpfen und kritische Perspektiven am Arbeitsplatz und darüber hinaus einzubringen. Neben ihrer Tätigkeit in der Abteilung Internationales engagiert sich Jin Jlussi unter anderem in dem Projekt „Collective Responsibility: Rassismus(kritik) an Hochschulen“ an der UHH.
Gleichzeitig bleibt klar: Ehrenamt und Netzwerkaufbau brauchen Zeit und Ressourcen und nicht alle haben die gleichen Voraussetzungen. Wie lässt sich dennoch ein erstes Netzwerk aufbauen? „Ein gutes Verhältnis zu Kommiliton:innen ist super wichtig,“ rät Sümeyye Bozukluhan. Netzwerke sind dabei mehr als eine nützliche Ressource: „Bei MOSAIQ e. V. verstehen wir Netzwerke auch als eine Form Empowerment.“ Insbesondere wer sich mit machtkritischen und gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzt und diese auch beruflich einsetzen möchte, braucht Gleichgesinnte. Sei es um auf aktuelle Stellenausschreibungen aufmerksam zu machen oder um sich über aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen und Erfahrungen im eigenen Arbeitsumfeld auszutauschen.
Welche Fragen haben Studierende heute?
Für viele Studierende ist der Übergang von Studium in den Beruf mit Unsicherheiten verbunden, berichtet Edita Imeri: „Schon in der ersten Diskussion der Veranstaltungsreihe kam die Frage nach Kürzungen auf. Es geht viel um Stabilität. Wenn man ein erziehungs- oder geisteswissenschaftliches Studium gewählt hat, spiegelt das auch oft die Leidenschaft einer Person. Zu sehen, dass diese Berufe stark von Kürzungen betroffen sind – insbesondere, wenn es um Mehrsprachigkeit und Migration geht – ist beunruhigend.“ Die Reihe schafft hier Orientierung: Es muss nicht der „richtige“ Job sofort feststehen, Lebenswege dürfen sich entwickeln, und über Dialog mit erfahrenen Praktiker:innen können früh Kontakte entstehen.
Weiterführende Informationen
Informationen über den Masterstudiengang Mehrsprachigkeit und Bildung – MOTION finden Sie auf der Seite des Arbeitsbereichs Migration und Bildung. Dort finden Sie auch weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe „Next Steps“ (Link zur Veranstaltungsreihe). Für inhaltliche Fragen rund um MOTION kontaktieren Sie bitte Drorit Lengyel(drorit.lengyel"AT"uni-hamburg.de).
Mehr zur Arbeit von MOSAIQ e. V. finden Sie auf der Webseite des Vereins.
Informationen zum Projekt Collective Responsibility: Rassismus(kritik) an Hochschulen finden Sie auf der Webseite der Stabstelle Chancengerechtigkeit der Uni Hamburg.
Hier finden Sie Informationen zu den Internationalisierungsprogrammen Next Generation Partnerships (Link zur Projektseite), der Unterstützung für Gefährdete Forschende (Link zur Projektseite), sowie zur Exzellenzinitiative (Link zur Projektseite) der Uni Hamburg.

