Abschlussworkshop „KI in der Pflegeberatung“: Ergebnisse, Herausforderungen und Perspektiven

Foto: flamenc CC BY-SA 3.0
Der Abschlussworkshop des Projekts „KI in der Pflegeberatung“ fand am 28.01.2026 in der Kulturküche Alsterdorf in Hamburg statt. Er brachte Akteure aus Wissenschaft und Praxis zusammen, um Potenziale und Grenzen generativer KI wie ChatGPT in der Pflegeberatung zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen die Projektergebnisse der Universität Hamburg, Vorträge von Dr. Lothar Hotz (HITeC e.V.) zu lokalen KI-Servern und Joshua Wilhelm (Universität Münster) zu KI-Kompetenzen von Erwachsenen. Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einer Führung durch das „Haus der Barrierefreiheit“ mit praktischen Einblicken in digitale Assistenzsysteme und der Möglichkeit zur Erprobung von ChatGPT für die Pflegeberatung.
Kristin Skowranek präsentierte zentrale Ergebnisse aus 13 Expert:inneninterviews und drei Workshops mit 39 Teilnehmenden. Die Interviews zeigen, dass Pflegeberatung hauptsächlich Leistungsbeantragung, Hilfsmittel, Wohnraumanpassungen und Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf umfasst, während medizinische Fragen nachrangig sind. Ratsuchende gelten als eher schlecht informiert. Betont wird die zentrale Bedeutung individueller persönlicher Beratung und emotionaler Unterstützung in Ausnahmesituationen. KI-Risiken wie falsche Infos, Datenschutz und Halluzinationen werden kritisch gesehen, aber Potenziale von generativer KI für niedrigschwellige, mehrsprachige Informationsvermittlung erkannt.
In den Workshops nutzten Teilnehmende Tablets mit datenschutzkonformem ChatGPT-Zugang für Fragen zu Unterbringung, Vorsorge, Erkrankungen und Beratungsstellen. Sie setzten überwiegend einfache Prompts ein, die oft auch per Websuche lösbar wären. Typische KI-Probleme wie veraltete Daten, Fehler bei komplexen Fällen und Halluzinationen wurden von den Teilnehmenden bei entsprechendem Vorwissen erkannt. ChatGPT wurde als niedrigschwelliges Tool eingeschätzt, die Teilnehmenden äußerten aber Bedarf an Schulungen zu Prompting und Qualitätsprüfung.
Dr. Lothar Hotz erläuterte Bedingungen für eigene KI-Server in Beratungsszenarien. Diese eignen sich bei sensiblen Daten, um Datenschutz in EU-Infrastrukturen zu wahren und US-Clouds zu vermeiden, sowie um Sprachmodelle mit eigenen Inhalten zu ergänzen. Die Einrichtung solcher Server erfordert jedoch größere Investitionen und technische Kenntnisse, die eher für größere Träger oder im Verbund leistbar sind.
Joshua Wilhelm stellte KI-Kompetenzen als „Add-on“ zu grundlegenden digitalen Kompetenzen dar und verdeutlichte, dass Motivation, Zugang zu digitalen Technologien und digitale Grundfertigkeiten zentrale Voraussetzungen für den Erwerb von KI-Kompetenzen sind. Er warnte vor der „AI Divide“ bei Älteren, Niedrigqualifizierten und Niedrigverdienern und empfahl alltagsnahe Unterstützung mit Fokus auf Funktionsweise, Grenzen, Reflexion und Datenschutz.
Unsere Handlungsempfehlungen für den Einsatz generativer KI in der Pflegeberatung finden Sie hier.
Für die Bereitstellung der Präsentationen bedanken wir uns bei den Referent:innen. Die Präsentationen können als PDFs unter den folgenden Links heruntergeladen werden:
Kristin Skowranek (Universität Hamburg): Ergebnisse des Forschungsprojektes Künstliche Intelligenz in der Pflegeberatung
Dr. Lothar Hotz (HITeC e.V.): LLM-Hosting in Pflegediensten - Wie können generative KI-Systeme datenschutzkonform auf eigenen Servern als Chatbots für Beratungsanfragen betrieben werden?
Joshua Wilhelm (Universität Münster): Wie Erwachsene KI-Kompetenzen erwerben und praktisch anwenden können