RV >to voice< Vortrag 25.06.: Prof. Dr. Johanna Tewes - »Stimmen im Text«Wie gemeinsames Schreiben zwischen schulischer und wissenschaftlicher Praxis kunstpädagogisches Wissen formt
18. Juni 2026

Foto: Imke Eppelmann
Am 25.06.2026 freuen wir uns Johanna Tewes im Rahmen unserer Ringvorlesung begrüßen zu dürfen.
Das gemeinsame Verfassen wissenschaftlicher Texte mit schulischen Praktiker*innen hat gezeigt, dass sich hier unterschiedliche Erfahrungen, Wissensformen, institutionelle Positionen und Schreibweisen begegnen. Im Ringen um Begriffe, Argumentationen und Tonlagen entsteht jedoch nicht ohne Weiteres eine gleichberechtigte Mehrstimmigkeit. Vielmehr stellt sich die Frage, wer im gemeinsamen Text wie zu Wort kommt, wessen Sprache als wissenschaftlich gilt und welche Differenzen im Zuge der Textproduktion geglättet werden. Zugleich eröffnet das gemeinsame Schreiben für die Beteiligten die Möglichkeit, auf andere Perspektiven zu antworten, die eigene Situiertheit zu reflektieren und sich durch den kollaborativen Schreibprozess verändern zu lassen.
Der Vortrag nimmt Erfahrungen aus kollaborativen kunstpädagogischen Schreibprojekten mit unterschiedlichen Akteur*innen zum Ausgangspunkt, um wissenschaftliches Schreiben als situierte und responsive Praxis zu untersuchen. Vor diesem Hintergrund wird beleuchtet, wie Beziehungen, Aushandlungen und systemische Ordnungen den Schreibprozess begleiten und das hervorgebrachte Wissen formen. Mit Blick auf Fragen der Professionalisierung geraten die Verschränkung von schulischem Erfahrungswissen und akademischer Theoriebildung, die ungleichen Bedingungen geteilter Autorschaft im Wissenschaftskontext sowie die Rolle digitaler und KI-gestützter Schreibwerkzeuge besonders in den Blick.
Johanna Tewes (Dr. phil.) ist Professorin für Kunstdidaktik und Bildungswissenschaften an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Neben ihrer Promotion zu machtkritischen Fragen in der Fachgeschichte war sie u.a. als Gastprofessorin für Kunstdidaktik an der Kunstakademie Münster, in der Hamburger Schulbehörde sowie 11 Jahre als Kunstlehrerin an einem Hamburger Gymnasium tätig.
Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Erforschung und Entwicklung von Kanonalternativen im Kunstunterricht und auf Social Media, kollaborative Praktiken und Artistic Research in der kunstpädagogischen Wissensproduktion sowie Phänomene postdigitaler (Bild-)Kulturen, u.a. Deepfakes und Netzfeminismus.

