RV >to voice< Vortrag 21.05.: Dr. des. Lukas Sonnemann - »(v)er_schreiben: Erfahrungsbasiertes Ethnografieren als mediale und epistemische Praxis im Kontext von Kunstausstellungen«
21. Mai 2026

Foto: Imke Eppelmann
Am 21.05.2026 freuen wir uns Lukas Sonnemann im Rahmen unserer Ringvorlesung begrüßen zu dürfen.
Wenn wir als Künstler:innen, Pädagog:innen oder Forschende über künstlerische Arbeiten, über Ausstellungen oder pädagogische Situationen schreiben, dann verhandeln wir nicht bloß Beispiele, sondern dokumentieren und materialisieren Erfahrungsprozesse. Die Art und Weise, wie wir diese darstellen formt, als was diese auftreten. Mehr noch: über die bloße Repräsentation hinaus erzeugen wir im Prozess des Darstellens erst fixierbare Erfahrungen und geben ihnen im Prozess der Materialisierung nachträglich eine Gestalt. Die medialen Infrastrukturen des Schreibens partizipieren hieran ebenso wie auch die Vorerfahrungen, habituelle Praktiken aber auch gesellschaftliche und politische Dispositive.
Mal mehr, mal weniger direkt spielen somit Subjekte in ihr Schreiben hinein und durchfärben es. Dem wissenschaftlichen und fachdidaktischen Schreiben über Erfahrungen lässt sich dabei einerseits das Potenzial zuschreiben, diese subjektiven Verstrickungen allererst sichtbar und damit auch reflektierbar zu machen, es ist aber auch dem Verdacht ausgesetzt, bloß partikular und singulär zu bleiben. Im Anschluss an die „Krise der ethnografischen Repräsentation“ (Berg/Fuchs 2016), sowie die (Post-)Phänomenologie zielt der Vortrag darauf, das Schreiben, als mediale und epistemische Strategie der „Befremdung“ (Amann/Hirschauer 1997; Waldenfels 2018) zu entwerfen. Ein solches als „Suche“ (Sabisch 2007) verstandenes Schreiben geht über eine bloße Dokumentation hinaus und lässt sich als eine Praxis des Forschens verstehen, die uns in ein komplexes Spiel aus Involvierung und Distanzierung verwickelt. Am Beispiel seiner Forschung zu Darstellbarkeit von Ausstellungserfahrungen entwickelt Lukas Sonnemann Möglichkeiten eines solchen 'ethnografierenden Schreibens‘ und zeigt Potenziale für die kunstpädagogische Praxis auf.
Aktuell arbeitet Dr. des Lukas Sonnemann als Gastprofessur an der UdK Berlin und seit 2024 als Mitarbeiter im Wissenschaftlichen Dienst, Kunst/Kunstpädagogik an der Universität Osnabrück. Seine Doktorarbeit mit dem Titel »Das Bildliche als Passage: Zwischen-bildliche Erfahrungen im Medium Ausstellung« verteidigte er im Januar 2026 in der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg.
https://www.lukassonnemann.com/
Ort: Von-Melle-Park 8, Raum 404
Zeit: Donnerstag, 21.05.2026, 16:15-17:45
Amann, Klaus/Hirschauer, Stefan (1997): Die Befremdung der eigenen Kultur. Ein Programm. In: Amann, Klaus/Hirschauer, Stefan (Hrsg.): Die Befremdung der eigenen Kultur — Zur ethnographischen Herausforderung soziologischer Empirie. Frankfurt a.M.: Suhrkamp. S. 7–52.
Berg, Eberhard/Fuchs, Martin (2016): Phänomenologie der Differenz. Reflexionsstufen ethnographischer Repräsentation. In: Berg, Eberhard/Fuchs, Martin (Hrsg.): Kultur, soziale Praxis, Text. Die Krise der ethnographischen Repräsentation. 4. Auflage. Frankfurt a.M.: Suhrkamp. S. 11–108.
Sabisch, Andrea (2007): Inszenierung der Suche. Vom Sichtbarwerden ästhetischer Erfahrung im Tagebuch. Entwurf einer wissenschaftskritischen Grafieforschung. Reihe Theorie Bilden. Bielefeld: transcript.
Waldenfels, Bernhard (2018): Grundmotive einer Phänomenologie des Fremden. 6. Auflage. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
