Förderung für Lehrvorhaben zu Erziehung, Bildung und Kolonialität
4. Februar 2026

Foto: UHH/von Wieding
Im Rahmen der Ausschreibung „Freiraum 2026“ der Stiftung „Innovation in der Hochschullehre“ erhält das Lehrvorhaben „Erziehung, Bildung, Kolonialität“ eine Förderung in Höhe von rund 157.000 Euro. In dem Projekt kooperiert die Universität Hamburg mit der Goethe-Universität Frankfurt sowie den Universitäten Yaoundé 1 und Garoua in Kamerun. Start der Lehrveranstaltung ist das Wintersemester 2026/2027.
Unter welchen Bedingungen ist Bildung im Kontext kolonialer Nachwirkungen möglich? Dieser Frage widmet sich das geförderte Lehrprojekt „Erziehung, Bildung, Kolonialität. Postkoloniale Bildung in der erziehungswissenschaftlichen Hochschullehre“. Ein Kooperationsseminar wird parallel an der Universität Hamburg und an der Goethe-Universität Frankfurt angeboten. Außerdem findet ein Studierenden- und Lehrendenaustausch mit den Universitäten Yaoundé 1 und Garoua statt.
Eine studentische Tagung, OER-Materialien und ein Positionspapier geplant
Das Seminar behandelt das Verhältnis von Kolonialität und Bildungsinstitutionen (Schulen, Museen u. a.), postkoloniale Bildungstheorie und Rassismuskritik sowie aktuelle Debatten, zum Beispiel zum Thema Denkmalschutz. Durch gemeinsame Besuche (post)kolonialer Orte sowie eine studentische Tagung können sich die teilnehmenden Studierenden regelmäßig begegnen und austauschen. Damit das Konzept auch für andere Standorte anschlussfähig ist, werden Texte, Lernressourcen, didaktische Überlegungen sowie das Seminarkonzept im Portal der Hamburg Open Online University (HOOU) frei zugänglich veröffentlicht. Als Anstoß für eine breitere Diskussion wird im Rahmen des Projektes ein gemeinsames Positionspapier mit Überlegungen zu einer Kolonialismus reflektierenden Bildung in der Erziehungswissenschaft erarbeitet.
Erziehung, Bildung und Kolonialität im Spannungsverhältnis
Zu Zeiten der Kolonialherrschaft dienten Erziehung und Bildung dazu, koloniale Bestrebungen zu rechtfertigen. Gleichzeitig entstanden Erziehungs- und Bildungskonzepte, die von kolonialen Bildern durchdrungen sind und bis heute nachwirken. Heute zielen dekoloniale Bildungskonzepte auf eine kritische Reflexion von Bildung und Erziehung. Doch eine Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus in der Erziehungswissenschaft steckt noch in den Anfängen. Ein kritisch-reflektierter Zugang zu den Auswirkungen der (deutschen) Kolonialvergangenheit ist für angehende Pädagog:innen daher von besonderer Relevanz.
Hintergrund und Projektinfo
Die Förderung „Freiraum für die Lehrentwicklung“ der Stiftung „Innovation in der Hochschullehre“ fördert innovative Hochschullehrprojekte ohne thematische Vorgabe. Für „Freiraum 2026“ wurden 143 Projekte aus 9.080 Interessenbekundungen zur Förderung ausgewählt. Projektauftakt für „Erziehung, Bildung, Kolonialität“ ist ein dreitägiger Workshop im Herbst 2026. Ansprechpartnerin der Universität Hamburg ist Prof. Dr. Sylvia Kesper-Biermann(sylvia.kesper-biermann"AT"uni-hamburg.de).

