Nachruf auf Prof. Dr. Stephan Maykus
1. Dezember 2025, von Kristie Jakob

Foto: HS Osnabrück
Nachruf auf Professor Dr. phil. habil. Stephan Maykus
Die Mitglieder des Arbeitsbereiches Sozialpädagogik der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg trauern um unseren Freund und Kollegen Stephan Maykus, der in der Nacht vom 26. auf den 27. November 2025 nach schwerer Krankheit im Alter von 54 Jahren verstorben ist.
Stephan Maykus war seit 2008 Professor für Methoden und Konzepte der Sozialen Arbeit an der Hochschule Osnabrück (Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften). 2012 hat er an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg habilitiert und war hier bis 2023 als Privatdozent tätig. In seinen Lehrveranstaltungen in Hamburg hat er im Studienschwerpunkt Sozialpädagogik, Partizipation und lebenslanges Lernen besonders Themen der Kommunalpädagogik und Demokratiebildung behandelt. Die Seminare waren bei den Studierenden und Kolleg:innen sehr anerkannt und Stephan Maykus hat mit seiner inhaltlich hochqualifizierten und didaktisch motivierenden Lehre den Arbeitsbereich Sozialpädagogik beeindruckend unterstützt.
Seit seiner Habilitation hat Stephan Maykus intensiv die Entwicklung einer „Kommunalen Sozialpädagogik“ vorangetrieben, die er in pädagogischen und gesellschaftstheoretischen Bezügen ausgearbeitet hat. Sein Leitmotiv hat er 2017 so formuliert: „Kommunale Sozialpädagogik schafft partizipatorische Orte und versucht Zugänge dazu allen Menschen im Stadtteil zu erschließen, respektive Einschränkungen darin zu bearbeiten. Hierfür analysiert sie Kontexte der stadtgesellschaftlichen Förderung oder Einschränkung dessen, fördert Subjektbildung und etabliert soziale Kontexte und Räume, die Freiheit und Verantwortung durch Kommunikation erschließen (Urteilsbildung und Verständigung fördern). Es geht um eine öffentlich bekundete und wahrnehmbare Anerkennung, um eine explizite Bereitschaft von Menschen, sich auf andere einzulassen, sie mitzudenken, das eigene Denken in Verbindung mit dem anderer zu sehen und diesem einen ausdrücklichen Wert beizumessen, der Einfluss auf das eigene Handeln hat.“
Damit hat Stephan Maykus diskursiv und weiterdenkend an Konzepte der Hamburger Schule der Demokratiebildung angeknüpft, wie sie im Arbeitsbereich Sozialpädagogik entwickelt wurden. Zusammen mit Helmut Richter und Benedikt Sturzenhecker hat er in diesen Zusammenhängen den „Kommunalpädagogischen Salon“ gegründet und die gemeinsame Diskussion aktiv vorangebracht. Stephan Maykus hat zu diesem Thema rege publiziert, gerade auch in vielen Monographien wie z.B.:
- Kommunale Sozialpädagogik. Theorie einer Pädagogik des Sozialen in der Stadtgesellschaft. Beltz Juventa Verlag: Weinheim und Basel 2017;
- Praxis kommunaler Sozialpädagogik. Das Gemeinwesen der Stadt als Handlungszusammenhang: Leitstandards und Arbeitshilfen. Beltz Juventa Verlag: Weinheim und Basel 2018;
- Sozialpädagogik als Kooperation. Schule, Bildung, Netzwerke, Partizipation - ein Weg zur pädagogischen Kommunalentwicklung. Beltz Juventa Verlag: Weinheim und Basel 2021;
- Gemeinwirksamkeit. Eine interdisziplinäre Einführung in die sozialpädagogische Gesellschaftsbildung. Beltz Juventa Verlag: Weinheim und Basel 2026 (i. E).
Dabei hat Stephan Maykus nicht nur grundlagentheoretische Argumente der Kommunalpädagogik von Helmut Richter, sondern auch wichtige Perspektiven der Soziologie Hartmut Rosas aufgenommen und zu eigenständigen Vorschlägen verbunden. Seine Erfahrungen in der Praxis der Sozialpädagogik waren zudem eine Grundlage für seine spezifische Leistung, theoretische Positionen in praxistaugliche Handlungskonzepte kommunaler Demokratiebildung zu übersetzen.
Über die Kommunalpädagogik hinaus fand die wissenschaftliche Arbeit von Stephan Maykus große Anerkennung, z. B. als Mitglied der Sachverständigenkommission zum 15. Kinder und Jugendbericht der Bundesregierung (2017). In der Forschung hat Stephan Maykus die unterschiedlichsten Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe untersucht, insbesondere zu Fragen der Jugendhilfeplanung, der Kooperation mit der (Ganztags-)Schule, der Interprofessionalität in der Kindertagesbetreuung und der inklusiven Grundschulen. So hat er die Sozialpädagogik und ihre Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe mit klugen theoriebasierten Reflexionen und praxisrelevanten Handlungsvorschlägen bereichert.
Wir verlieren einen freundschaftlich verbundenen Mitstreiter für die Weiterentwicklung sozialpädagogischer Demokratiebildung und können nur nachträglich unseren großen Dank für sein Engagement ausdrücken.
Helmut Richter und Benedikt Sturzenhecker mit den Kolleg:innen des kommunalpädagogischen Salons und des Arbeitsbereiches Sozialpädagogik

