Promotionen
Auf dieser Seite finden Sie abgeschlossene und laufende Promotionen am AB Sozialpädagogik. Die Forschungsthemen der Promotionen liegen im Forschungsschwerpunkt Partizipation und Bildung der Fakultät für Erziehungswissenschaft.
Laufende Promotionen
Jana Osswald
Titel: Die Bedeutung der Rückkehr in die Herkunftsfamilie für das persönliche Leben von Jugendlichen im Kontext stationärer Erziehungshilfen
Betreuer: Prof. Dr. Stefan Köngeter
Austritte aus stationären Erziehungshilfen stellen Übergänge dar, die bewältigt werden müssen. Während der Austritt in die Selbstständigkeit («Leaving Care») im Fokus steht, wird die Rückkehr in die Herkunftsfamilie im deutschsprachigen Raum in Forschung und Fachdiskurs bisher nur wenig beachtet. Dieses Desiderat steht im Kontrast zur hohen praktischen Relevanz des Themas für die Kinder- und Jugendhilfe. Aus fachlicher Sicht zielen ausserfamiliäre Unterbringungen als Kinderschutzmassnahmen darauf ab, Gefährdungssituationen so zu verbessern, dass Mass-nahmen reduziert oder aufgehoben werden können. Daher ist es für die Praxis bedeutsam, Um-fang und Bedingungen von Rückkehrprozessen zu kennen. Zugleich stellt die Rückkehr eine anspruchsvolle Transitionsaufgabe dar, die nicht immer gelingt. Die Erforschung von Rückkehr-prozessen kann dazu beitragen, deren Gelingensbedingungen und Herausforderungen besser zu verstehen und Erkenntnisse für die Praxis abzuleiten.
Das Dissertationsprojekt setzt hier an. Es ist in die Schweizer Längsschnittstudie StePLife (stationäre Erziehungshilfen im Persönlichen Leben, https://steplife.ch/) eingebunden, die das Leben von Jugendlichen in stationären Erziehungshilfen zu drei Zeitpunkten quantitativ untersucht. Im Fokus des Dissertationsprojekts steht die Frage, wie Jugendliche ihre Rückkehr in die Herkunfts-familie erleben und bewältigen, welche Veränderungen damit einhergehen und wie die Rückkehr in das persönliche Leben integriert wird. Die Dissertation ist kumulativ angelegt und als Mixed-Methods-Design (quantitatives Panel und qualitative Vertiefung) konzipiert.
Bisherige Publikationen aus dem Dissertationsprojekt:
• Osswald, Jana (2025). Returning to the Family after Residential Care: Changes in Young People’s Well-Being and their Assessment of the Transition. Child and Adolescent Social Work Journal. https://doi.org/10.1007/s10560-025-01030-0
• Osswald, Jana (2025). Die Bedeutung der Rückkehrerwartung für das Zugehörigkeits-empfinden von Jugendlichen im Heimkontext. Soziale Passagen. 17. 95-111. https://doi.org/10.1007/s12592-025-00525-y
Martina Good
Titel: Begründungsfiguren im professionellen Handeln der Schulsozialarbeitenden
Betreuer: Prof. Dr. Stefan Köngeter
Im Rahmen eines symbolisch-interaktionistischen Professionsverständnisses untersucht die Studie, wie Fachpersonen der Schulsozialarbeit ihr Handeln im Einzelfall begründen. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern und auf welche Weise sie dabei auf wissenschaftliches Wissen zurückgreifen. Grundlage bilden qualitative Interviews, in denen die Befragten konkrete Fallgeschichten schildern. Daraus werden Arbeitsbögen rekonstruiert, um die Zusammenhänge zwischen Handlungen und ihren Begründungen über den Verlauf der Fallarbeit der Analyse zugänglich zu machen. Ziel ist es, typische Relationen von Begründungen des professionellen Handelns zu entwickeln.
Moritz Frietzsche
Titel: Die politische Praxis der Sozialen Arbeit im Sozialraum des Hamburger Hauptbahnhof
Betreuer: Prof. Dr. Stefan Köngeter
Das Dissertationsvorhaben untersucht, wie Sozialarbeitende am Hamburger Hauptbahnhof die jüngsten sozial- und ordnungspolitischen Maßnahmen deuten und ihr politisches Handeln gestalten. Auf Grundlage qualitativer Expert:inneninterviews, relevanter Dokumente wird mit der Situationsanalyse nach Adele E. Clarke erforscht, welche Deutungen, Spannungsfelder und professionellen Strategien im Umgang mit gesellschaftlichen und politischen Anforderungen entstehen. Die Studie leistet einen Beitrag zur empirischen Erforschung und Weiterentwicklung politischer Praxis der Sozialen Arbeit im Sozialraum.
Moritz Schwerthelm
Titel: Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit – Eine empirische Untersuchung zur Umsetzung von Demokratiebildung und demokratischer Partizipation
Betreuer: Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker
Die Offene Kinder- und Jugendarbeit(OKJA) weist spezifische Merkmale auf, die als prodemokratisch (Sturzenhecker/Schwerthelm 2016) bezeichnet werden können, weil sie Kindern und Jugendlichen Chancen zur demokratischen Partizipation eröffnen. Dadurch ermöglichen sie auch Demokratiebildung, denn Demokratie wird – im Sinne John Deweys – „durch ihre praktische Anwendung angeeignet“ (Sturzenhecker/Richter 2010). Darüber hinaus hat die OKJA als Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe laut § 11 SGB VIII den Auftrag, ihren AdressatInnen Partizipation zu ermöglichen, da Angebote „mitbestimmt und mitgestaltet werden“ sollen, wodurch diese sich „gesellschaftliche Mitverantwortung“ und „soziales Engagement“ aneignen sollen. Durch die Möglichkeit demokratisch zu handeln, sollen sich Kinder und Jugendliche als gleichberechtigte Gesellschaftsmitglieder erfahren und so Demokratie aus-üben können (Sturzenhecker/Richter 2010). Die bisherige Forschung zu Partizipation kann jedoch nicht zeigen, ob diese Potentiale zur demokratischen Partizipation und Demokratiebildung von den an OKJA Beteiligten genutzt werden, da empirische Ergebnisse bisher nur Auskunft über die Quantität von Partizipation in der OKJA geben, nicht aber über die demokratische Qualität. Die angestrebte Dissertation verfolgt darum die Forschungsfrage, wie die OKJA ihre Möglichkeiten zur Eröffnung von demokratischer Partizipation gegenwärtig nutzt und dadurch Demokratiebildung ermöglich. Erkenntnisgegenstand der Untersuchung sind die gemeinsamen Handlungen von MitarbeiterInnen und AdressatInnen, die Partizipationsgelegenheiten performativ erzeugen bzw. nutzen, sowie pädagogische Handlungen, die Kinder und Jugendliche in der Partizipation unterstützen. Dazu wird eine ethnografische Forschung in Jugendhäusern angestrebt. Die Beobachtungen werden mit den MitarbeiterInnen und Jugendlichen in Interviews diskursiv – d.h. im Sinne der Handlungspausenforschung (Richter et al. 2003) – ausgewertet.
Abgeschlossene Promotionen
Mathias Gintzel (2022): "Geschlechterkonstruktionen von Erziehern in Kitas. Ergebnisse einer qualitativen Studie"
Betreuer: Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker
Die Dissertation zielt darauf ab, die individuellen Geschlechtskonstruktionen von staatlich anerkannten Erziehern in Kindertagesstätten herauszuarbeiten und sie mit den fachlichen Anforderungen, u.a. einer geschlechterbewussten Pädagogik, in Relation zu setzen. Damit werden zwei thematische Schwerpunkte gesetzt: Zum einen die Frage, was die männlichen Erzieher als „männlich“ erachten und wie sie sich – wenn überhaupt – selbst in einem System bipolarer Zweigeschlechtlichkeit verorten; und zum anderen welche Konsequenzen sich für den pädagogischen Alltag mit Kleinst- und Kleinkindern hieraus ergeben. Insgesamt wird Geschlecht als eine zentrale Kategorie für die Professionellen in Kindertageseinrichtungen aufgefasst, da Geschlecht 1. von den Fachkräften als soziale Struktur reflektiert werden muss, dies 2. besonders durch die normativen Bildungsanforderungen (u.a. Hamburger Bildungsempfehlungen) zur Vorgabe gemacht wird und 3. die ErzieherInnen selbst als Akteure von Doing-Gender-Prozessen auch als Person involviert sind.
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Lehmann, Teresa (2019): Demokratiebildung und Rituale in Kindertageseinrichtungen. Die Vollversammlung im Spannungsfeld von demokratischer Partizipation und pädagogischer Ordnung.
Betreuer: Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker
Das ethnographische Dissertationsprojekt untersucht aus einer performativitätstheoretischen Perspektive, wie Rituale und Demokratiebildung in Kindertageseinrichtungen zueinander stehen. Dabei soll die Frage beantwortet werden, wie (deliberative) Demokratie in Ritualen umgesetzt, unterstützt oder verhindert wird. Zum anderen soll analysiert werden, wie sich die Praxis der Demokratiebildung auf die Rituale einer Kita auswirkt. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass Rituale zentrale Ordnungselemente des Kita-Alltags sind. Insbesondere ihre Funktion der Differenzbearbeitung bzw. -erzeugung ist in Hinblick auf Demokratiebildung bedeutsam. So kann z.B. danach gefragt werden, welche Rolle rituell hergestellte Differenzen für die (Un-)Möglichkeit demokratischer Diskurse spielen, oder ob und wie Rituale eine in sich demokratische, d.h. egalitäre Gemeinschaft hervorbringen. Das der Arbeit zugrunde liegende Verständnis von Demokratiebildung durch demokratische Partizipation fußt auf dem sozialpädagogischen Ansatz „Die Kinderstube der Demokratie“, das mit John Dewey für Demokratie als Lebensform sowie die Einheit von Demokratielernen und – praxis argumentiert. Als sensibilisierendes Konzept stützt sich die Analyse auf das normative Modell einer deliberativen Demokratie, wie es von Habermas in den deutschsprachigen Diskurs eingeführt und sukzessive weiterentwickelt wurde. Ergänzt und herausgefordert wird diese Perspektive durch den machtsensiblen Demokratiebegriff von Rancière. Sowohl bezüglich Demokratiebildung in Kitas im Allgemeinen als auch Ritualen und demokratischer Partizipation im Besonderen existieren deutliche Forschungslücken. Mit dem Forschungsvorhaben soll ein Beitrag zu deren Schließung geleistet werden.
Hier finden Sie den Link zur Verlagsseite der Dissertation.
Ahlrichs, Rolf (2018): Demokratiebildung im Jugendverband. Zum Selbstverständnis von Jugendbildungsreferent*innen in Stuttgart
Betreuer: Prof. Dr. Helmut Richter, Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker, Prof. Dr. Michael Lindenberg
Im Zuge der vielfach konstatierten Krise westlicher Demokratien wird auch in der Sozialpädagogik zunehmend über Demokratiebildung diskutiert. Der Kinder- und Jugendarbeit wird in diesem Zusammenhang das Potenzial zugesprochen, ein Ort zu sein, an dem Kinder und Jugendliche demokratische Verhaltensweisen einüben, Entscheidungsprozesse erleben und Verantwortung übernehmen können (BMFSFJ 2017, S. 481). Vorausgesetzt wird, dass junge Menschen demokratische Strukturen und Verfahren einerseits vorfinden, sie andererseits auch gemeinsam erleben, reflektieren und weiterentwickeln.
Die Erziehung junger Menschen zu Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Mitverantwortung ist einerseits gesetzlicher Auftrag der Jugendverbandsarbeit (§§ 11 und 12 SGB VIII), entspricht andererseits dem formulierten Selbstverständnis der Jugendverbände als „Werkstätten der Demokratie“. Die partizipativ angelegte, qualitative Studie konfrontiert diesen Anspruch und das Potenzial der Jugendverbandsarbeit mit dem Selbstverständnis von Stuttgarter Jugendbildungsreferent*innen. Ziel der empirischen Untersuchung ist es, die Praxiserfahrungen und subjektiven Deutungen von hauptamtlichen Jugendbildungsreferent*innen in Jugendverbänden unterschiedlicher weltanschaulicher Prägung zu rekonstruieren. Methodologisch wird auf die Handlungspausenforschung (Richter et al. 2003) zurückgegriffen, wobei methodisch diskursive Einzelinterviews zur Datenerhebung mit Gruppengesprächen zur argumentativen Validierung kombiniert werden.
Die Studie bestätigt, dass Elemente demokratischer Bildung in den befragten Jugendverbänden vorhanden sind. Auf der Grundlage der Aussagen von Jugendbildungsreferent*innen konnten drei Idealtypen herausgearbeitet werden, die unterschiedliche Verständnisse von Demokratiebildung zeigen. Sie dienen zur Reflexion und Weiterentwicklung von Jugendverbänden, indem sie Diskrepanzen zwischen Ideal und Realität verdeutlichen und damit vereinsinterne Diskussionen anregen können. Abschließend werden Maßnahmen für die demokratische Bildung von Jugendbildungsreferent*innen, für innerverbandliche Diskurse sowie kommunalpolitische Unterstützung von Jugendverbänden vorgeschlagen.
Ahlrichs, Rolf (2019): Demokratiebildung im Jugendverband. Grundlagen – empirische Befunde – Entwicklungsperspektiven. BeltzJuventa, Weinheim.
Aghamiri, Kathrin (2015): Das Sozialpädagogische als Spektakel - eine Fallstudie sozialpädagogischer Gruppenarbeit in der Grundschule. Opladen u.a.: Barbara Budrich UniPress
Betreuer: Benedikt Sturzenhecker
Die ethnografische Fallstudie rekonstruiert, wie sich Kinder einer Grundschulklasse eine sozialpädagogische Gruppenarbeit zum Sozialen Lernen zu eigen machen. Dabei zeigt sich, dass das Sozialpädagogische als Spektakel in die Schule kommt. Dieses Spektakel bespielen die Kinder vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen, aktueller Themen und Bedürfnisse auf unterschiedlichen Bühnen. Die Untersuchung zeigt zum einen, wie das Konzept der Aneignung empirisch nutzbar gemacht werden kann, zum anderen bezieht es die Kinder als Subjekte der Aneignung auch in die Forschung mit ein. Es zeigt sich, dass sozialpädagogische Gruppenarbeit nicht im Sinne eines ,Trainings´ funktioniert. Die Kinder machen aus dem Angebot etwas, das ihren eigensinnigen Deutungen und Interessen dient!
Die Fallstudie im Forschungsstil der Grounded-Theory-Methodologie zeigt, wie sich Kinder einer Grundschulklasse während einer sozialpädagogischen Gruppenarbeit zum Sozialen Lernen verhalten. Dabei wird von der Grundannahme ausgegangen, dass sich Kinder diejenigen Elemente eines sozialpädagogischen Angebots aneignen, die ihnen sinnhaft erscheinen. Die Studie fragt dementsprechend: Was machen Kinder mit einem sozialpädagogischen Angebot in der Schule? Wie deuten sie es? Was passiert mit dem Programm, den Interaktionen, den Kindern selbst? Die Untersuchung vermittelt zum einen ein gegenstandsverankertes, begründetes Deutungsangebot hinsichtlich der Aneignungspraxis sozialpädagogischer Gruppenarbeit aus Perspektive von Kindern, zum anderen zeigt sie, wie das Konzept der Aneignung empirisch nutzbar gemacht werden kann. Aneignung findet in Beziehungen eingebettet statt und kann als soziales Handeln abgebildet werden. In der Rekonstruktion der Aneignungspraktiken der Kinder entfaltet sich die sozialpädagogische Gruppenarbeit als Spektakel. Das Spektakel meint einen umgrenzten Deutungs- und Handlungsrahmen innerhalb der alltäglichen Wirklichkeit, der als außeralltägliches Ereignis die Ordnung der umgebenden Wirklichkeit zeitlich und räumlich begrenzt verändert. Innerhalb des Spektakels entstehen verschiedene Orte, an denen die Kinder ihren eigensinnigen Bedürfnissen nachgehen oder aktuelle Themen auf die „Bühne“ bringen. Aneignung zeigt sich so als gemeinschaftliche Praxis und Tätigkeit, in der ein kollektiver Eigensinn der Gruppe realisiert wird. Die Kinder deuten die Gruppenarbeit zunächst als Spektakel außerhalb der alltäglichen Schulwirklichkeit, sie bespielen das Angebot und gestalten es, um ihre Themen zu veröffentlichen und zu bearbeiten. Für eine theoretische und praktische Weiterentwicklung der Methode sozialpädagogischer Gruppenarbeit ergeben sich zahlreiche Reflexionsansätze aus der Studie.
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Lohse, André (2015): Antiziganismus und Gesellschaft. Soziale Arbeit mit Roma und Sinti aus kritisch-theoretischer Perspektive. Springer VS Wiesbaden.
Betreuer: Benedikt Sturzenhecker
André Lohse untersucht Bedingtheiten, Verhältnisse und Strukturen, die das antiziganistische Ressentiment im gesellschaftlichen Wandel hervorrufen. Er analysiert die Auswirkungen antiziganistischer Konstrukte auf gegenwärtige Machtstrukturen und entschlüsselt kritisch-theoretisch öffentliche Eingriffe in das Leben von Roma und Sinti als apriorische Erziehungsidee. Auf diesem Wege hinterfragt der Autor die noch immer auf Roma und Sinti gerichtete Kontrollorientierung sozialpolitischer Programmatik.
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