Co-GROW-Inq
Ein gemeinsames Projekt von Schulforscher:innen und -praktiker:innen zur (Weiter-)Entwicklung adaptiver Formate des potenzialorientierten Forschenden Lernens im Rahmen einer Design-Based-Research-Studie
Laufzeit: ab 2025
Kontakt: hanna.birkenhagen"AT"uni-hamburg.de
Das bundesweite Forschungs- und Schulentwicklungsprojekt LemaS-Transfer hat zum Ziel, Potenzial- und Begabungsförderung im Sinne eines mehrdimensionalen und dynamischen Begabungsbegriffs nachhaltig in Schule und Unterricht zu verankern (LIT). In der ersten LemaS-Phase (2018-06/2023) wurden hierfür im Schwerpunkt Biologie Unterrichtsformate des Forschenden Lernens entwickelt, deren Transfer in die Schulen nun begleitet und beforscht wird.
Die Transferforschung der letzten Jahre zeigt, dass sich viele Unterrichtsformate trotz erfolgreicher Evaluation nicht flächendeckend in der Schulpraxis etablieren. Dies betrifft auch Formate des Forschenden Lernens, welche meist nur episodisch, punktuell oder unvollständig im Unterricht umgesetzt werden (Baur et al. 2022). Grund hierfür ist unter anderem die fehlende Passung zu schulischen Rahmenbedingungen (Breuer et al. 2022). Dementsprechend zeichnet sich erfolgreicher Wissenschafts-Praxis-Transfer durch eine bidirektionale Transfergestaltung aus (Hartmann & Kunter 2022).
Das Projekt Co-GROW-Inq (Co-creating Growth-oriented, Responsive, Open Ways of INQuiry-based-learning), welches aus dem Schwerpunkt Biologie in LemaS-Transfer hervorgegangen ist, setzt genau diese bidirektionale Transfergestaltung im Rahmen einer Design-Based-Research-Studie um.

Abb. 1: Ablaufschema der DBR-Studie Co-GROW-Inq. Modell/Begrifflichkeiten angelehnt an McKenney & Reeves 2013 sowie Prediger et al. 2016.
Ziel ist es, im Verlauf iterativer Design-Zyklen sowohl praxisbezogene als auch theoriebezogene Erkenntnisse zu gewinnen. Das praxisbezogene Erkenntnisinteresse besteht in der theorie- und empiriebasierten Entwicklung von nachhaltig in die Schulpraxis integrierbareren Formaten des potenzialorientierten Forschenden Lernens. Daneben sollen lokale Theorien zum Einsatz und Transfer potenzialorientierter Unterrichtsformate des Forschenden Lernens entwickelt werden, die längerfristig auch Beiträge zu globalen Theorieentwicklungen leisten können (McKenney & Reeves 2013; Prediger et al. 2012).
Zur Umsetzung der bidirektionalen Transfergestaltung erfolgen die iterativen Designzyklen innerhalb einer Fokusgruppe aus Wissenschaftler:innen und Lehrpersonen. Diese durchlaufen gemeinsam zwei Designzyklen bestehend aus Design-, Umsetzungs- und Analysephase.
Im Rahmen der ersten Designphase wurden bereits die beiden potenzialorientierten Unterrichtsformate des Forschenden Lernens „Starterbox“ und „Forschungsjournal“ entwickelt (Schwanewedel & Stangen 2025). Die anschließende Umsetzungsphase, in welcher diese Formate von den beteiligten Lehrpersonen im Biologieunterricht eingesetzt werden, wird wissenschaftlich begleitet, indem Audio- und Videodaten aufgezeichnet sowie Beobachtungsbögen geführt werden. Zudem werden leitfadengestützte Interviews mit den Lehrpersonen geführt. In der darauffolgenden Analysephase werden die erhobenen Daten interpretiert und innerhalb der Fokusgruppe unter Berücksichtigung der Praxiserfahrungen gemeinsam diskutiert.
Die gewonnenen Erkenntnisse der Phasen des ersten Design-Zyklus‘ werden von der Fokusgruppe genutzt, um in der Designphase des zweiten Zyklus‘ die beiden Unterrichtsformate entsprechend zu überarbeiten und weiterzuentwickeln. Anschließend werden sie in einer erneuten Umsetzungs- sowie Analysephase im Unterricht eingesetzt, erforscht und weiterentwickelt.
Die Umsetzungsphasen dieser Design-Based-Research-Studie wird im Rahmen der Dissertation von Hanna Birkenhagen expliziert.
Literaturverzeichnis
Baur, A., et al. (2022). Differenzierung beim Inquiry-based Learning im naturwissenschaftlichen Unterricht. Ein Differenzierungstool für das Experimentieren im Sinne des Forschenden Lernens. Beltz.
BBreuer, J., Vogelsang, C., & Reinhold, P. (2022). Nutzungsverhalten von Lehrkräften bei der Implementierung einer physikdidaktisch innovativen Unterrichtskonzeption. Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften, 28(1).
Hartmann, U., & Kunter, M. (2022). Mehr Praxis in der Bildungsforschung? Eine Studie zu Praxisperspektiven in Forschungsprojekten. Bildungsforschung, 19(2), 1–24.
McKenney, S., & Reeves, T. C. (2013). Educational design research. In J. M. Spector, M. D. Merrill, J. Elen, & M. J. Bishop (Eds.), Handbook of research on educational communications and technology (4th ed., pp. 131–140). Springer.
Prediger, S., Link, M., Hinz, R., Hußmann, S., Thiele, J., & Ralle, B. (2012). Lehr-Lernprozesse initiieren und erforschen – Fachdidaktische Entwicklungsforschung im Dortmunder Modell. Der mathematische und naturwissenschaftliche Unterricht, 65(8), 452–457.
Schwanewedel, J., & Stangen, I. (2025). Begabungsförderung für alle!? Bausteine potenzialorientierten und begabungsförderlichen Biologieunterrichts für heterogene Lerngruppen. k:ON – Kölner Online Journal für Lehrerinnenbildung, 9, 227–247.